Praxisfragen der Aufzeichnungs-, Kassen- und Belegerteilungspflicht nach der Steuerreform 2015/2016 – Was sind bare Geschäftsvorfälle?

Mit Steuerreform 2015/2016 wurden eingeführt:

  1. Generelle Einzelaufzeichnungs- und Einzelerfassungspflicht vom Barumsätzen
  2. Allgemeine Registrierkassenpflicht (ab einem bestimmten Jahresumsatz)
  3. Allgemeine Belegerteilungsverpflichtung

Viele Fragen, die Umsetzung betreffend, sind bisher aufgetreten. Einige dieser Fragen konnten bereits beantwortet werden.

Was sind bare Geschäftsvorfälle?

In der Gesetzgebung finden sich verschiedene Begriffe für „bare Geschäftsvorfälle“.

  • § 131 Abs 1 Z 2 lit b BAO (Aufzeichnungspflicht allgemein) spricht von Bareingängen und Barausgängen (darunter fallen auch Barentnahmen und Bareinlagen)
  • § 131 Abs 1 Z 3 lit c BAO (Aufzeichnungspflicht allgemein) spricht von Bargeschäften
  • § 131b Abs 1 Z 1 BAO (Registrierkassenpflicht) spricht von Bareinnahmen
  • § 131b Abs 1 Z 2 und 3 BAO (Registrierkassenpflicht) sprechen von Barmumsätzen
  • § 131b Abs 5 Z 2 BAO (Registrierkassenpflicht) spricht von Bareinnahmen hinsichtlich betrieblicher Umsätze
  • § 132a Abs 1 BAO (Belegerteilungspflicht) spricht von Umsätzen im Sinne des § 1 Abs 1 Z 1 UStG

Es bleibt also Raum für Spekulationen: Sind die Unterschiede bei den Begriffen Zufall oder nicht? Meint der Gesetzgeber immer Umsätze im Sinne des § 1 Abs 1 Z 1 UStG? Das Studium der Literatur zum Thema legt nahe, dass all den unterschiedlichen Bezeichnungen sinnvollerweise die Umsätze im Sinne des § 1 Abs 1 Z 1 UStG zugrunde gelegt werden könnten. Damit können wir dann sagen:

  • Betroffen sind nur Umsätze;
  • Schadenersatzzahlungen sind keine baren Geschäftsvorfälle im hier gegenständlichen Sinn;
  • Bilanzierer müssen täglich einzelnen aufzeichnen;
  • und außerbetriebl. Überschussrechner (auch EAR) müssen täglich einzeln Belege in der Belegsammlung ablegen. Sie müssen kein „Journal“ führen.

Wegen §§ 131b und 132a BAO zählen zu den baren Geschäftsvorfällen auch:

  • Sämtliche Arten EDV-gestützter Zahlungen, die nicht unmittelbar von Konto zu Konto gehen (z.B. Bankomatgeschäfte, Kreditkartengeschäfte, Schecks, Gutscheine, …)
  • Die Abrechnung mit Bitcoins

Info & Kontakt: http://www.reflekt.at

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Über Irene Pollak

Mag. rer. soc. oec (Betriebswirtschaftslehre), Dipl. Lebens- und Sozialberaterin
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