Änderung der Nutzungsdauer

Die folgenden Ausführungen gelten, wenn die Nutzungsdauern ursprünglich zutreffend festgelegt wurden. Wurde der Abschreibung schon von Beginn an eine falsche Nutzungsdauer zugrunde gelegt, wenden Sie bitte die Regelungen zur Bilanzberichtigung an.

Verkürzung der Nutzungsdauer

Verkürzt sich die Nutzungsdauer während der ursprünglich angenommenen Nutzungsdauer, so ist die planmäßige Abschreibung entsprechend anzupassen.

Dies kann unternehmensrechtlich auf zwei Arten erfolgen:

  1. Entweder man berechnet die bisherige Abschreibung und den bisherigen Buchwert neu. Im Falle einer Verkürzung der Nutzungsdauer führt das zu einer außerplanmäßigen Abschreibung oder
  2. der bestehende Restbuchwert wird einfach auf die kürzere Restnutzungsdauer verteilt.

Die erste Methode entspricht dem Grundsatz der möglichst getreuen Darstellung der Vermögens- und Ertragslage eines Unternehmens besser als die zweite Methode. Allerdings kann diese Entscheidung auch von den bilanzpolitischen Zielen beeinflusst werden. Das wird dann der Fall sein, wenn das Unternehmen Gewinnmaximierung als bilanzpolitisches Ziel verfolgt.

Steuerrechtlich bestehen gegenüber beiden Methoden keine Bedenken. Die unternehmensrechtliche Vorgangsweise schlägt gemäß § 5 Abs 1 EStG (Maßgeblichkeit) auf die Steuerbilanz durch. Die außergewöhnliche Abnutzung ist auch dem § 4 Abs 3 Gewinnermittler (Einnahmen-Ausgaben-Rechner) zugänglich.

Verlängerung der Nutzungsdauer

Fall 1: Generalüberholung

Zu einer Verlängerung der Nutzungsdauer kann es zB aufgrund einer Generalüberholung kommen. Steuerrechtlich kann die Verlängerung der Nutzungsdauer als Indiz für eine wesentliche Verbesserung gesehen werden (Rz 2204, EStR 2000). Damit Aktivierungspflicht vorliegt ist jedoch eine Verbesserung über den ursprünglichen Zustand hinaus erforderlich. Dies ist etwa dann der Fall, wenn die Maschine durch die Generalüberholung für eine weitere Schicht einsetzbar wird. Diesfalls liegt Aktivierungspflicht vor.  Andernfalls sind die Reparaturaufwendungen sofortiger Betriebsaufwand.

Liegt Aktivierungspflicht vor, dann sind die Herstellungskosten (Kosten der Generalüberholung) zu aktivieren und auf die Restnutzungsdauer verteilt abzuschreiben. Steuerlich kann dieser Vorgangsweise gefolgt werden, denn durch den Einsatz im Mehrschichtbetrieb wird eine Durchbrechung der Bewertungsstetigkeit möglich (Rz 3121, EStR 2000).

Fall 2: Reparatur

Simple Reparaturen führen – entgegen einer Generalüberholung – in der Regel nicht zu einer Aktivierungspflicht, können jedoch die Nutzungsdauer einer Maschine verlängern. Diesfalls besteht wieder ein Wahlrecht wie oben:

  1. Entweder man berechnet die bisherige Abschreibung und den bisherigen Buchwert neu. Im Falle einer Verlängerung der Nutzungsdauer führt das zu einer Zuschreibung oder
  2. der bestehende Restbuchwert wird einfach auf die längere Restnutzungsdauer verteilt.

Da auch hier die Methode der Zuschreibung (Pkt 1 oben) der Generalnorm („möglichst getreuen Darstellung der Vermögens- und Ertragslage“) besser entspricht wäre dieser der Vorzug zu geben. Allerdings kann diese Entscheidung auch von den bilanzpolitischen Zielen beeinflusst werden. Das wird dann der Fall sein, wenn das Unternehmen Gewinnminimierung als bilanzpolitisches Ziel verfolgt. Diese Lösung wird ermöglicht durch das sogenannte „faktische Zuschreibungswahlrecht“.1

Dieses Wahrecht steht jedoch bei Beteiligungen an Körperschaften gem. § 228 Abs 1 UGB, die zum Anlagevermögen gehören, nicht zu.

Fußnoten:

  1. Das faktische Zuschreibungswahlrecht im Anlagevermögen
    Von den folgenden Ausführungen sind Beteiligungen gem. § 228 Abs 1 UGB, die zum Anlagevermögen gehören ausgenommen.Gem. § 208 Abs 1 UGB sind Zuschreibungen grundsätzlich zwingend, wenn sie darauf beruhen, dass die Gründe für frühere außerplanmäßige Abschreibungen nicht mehr bestehen. Eine Zuschreibung ist jedoch dann nicht zwingend, wenn ein „niedrigerer Wertansatz bei der steuerrechtlichen Gewinnermittlung unter der Voraussetzung beibehalten werden kann, dass er auch im Jahresabschluss beibehalten wird“ (§ 208 Abs 2 UGB). Dies ist gem. § 6 Z 13 EStG immer der Fall (anders nur bei Beteiligungen). Das sogen. „faktische Zuschreibungswahlrecht im Anlagevermögen“ wird daher ermöglicht durch § 208 Abs 2 UGB iVm § 6 Z 13 EStG.

Verfasst von http://www.reflekt.at

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Über Irene Pollak

Mag. rer. soc. oec (Betriebswirtschaftslehre), Dipl. Lebens- und Sozialberaterin
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