Neurowissenschaften

Bildgebende Verfahren sind im Moment sehr modern. Der aktuelle Stand der Wissenschaft rechtfertigt den Vertrauensvorschuss, der diesen Verfahren entgegen gebracht, jedoch nicht. Kommerzielle Anwendungen versuchen auf diesen Zug aufzuspringen und versprechen Leistungen, die nicht der Wahrheit entsprechen.

Können die Neurowissenschaften bei der Aufdeckung von Lügen helfen?

Firmen wie NoLie-FMRI und Cephos offerieren entsprechende Dienstleistungen an Privatpersonen, Unternehmen, Staatsanwaltschaften und Rechtsanwaltskanzleien an. Diese Firmen messen die Hirnaktivität und behaupten, so festzustellen können, ob eine Person lügt oder die Wahrheit sagt. Der renommierte britische Psychiater Sean A. Spence kommt in seiner Metaanalyse1 wissenschaftlicher Arbeiten zu dem Ergebnis, dass diese neuen Methoden im Grund nicht besser als die herkömmlichen Verfahren sind.

Können Kriminelle anhand neuroanatomischer Auffälligkeiten identifiziert werden?

In dem Artikel der Bild-Zeitung wird der Eindruck geweckt, als wäre dies möglich. Doch die Forschung zeigt in Wirklichkeit kein einheitliches Bild. So traten bei manchen Menschen mit neuroanatomischen und neurophysiologischen Auffälligkeiten antisoziale Verhaltensweisen auf, bei anderen Menschen – mit denselben Auffälligkkeiten – dagegen nicht. Vielmehr gilt heute immer noch, dass die Ursache von Gewaltakten multifaktoriell bedingt ist. Raine, 2002 und Jäncke, 20082 sehen die Ursache im Zusammenwirken von genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen.

Neurowissenschaften im Marketing („Neuromarketing“)

Jäncke, L. in Böker, H./Seifritz, E.(Hrsg.) (2012) fanden in diesem Bereich „… obskure, unseriöse und darüber hinaus auch sehr teure Untersuchungen …“, die insbesondere von Marketingberater Martin Lindstrom besonders erfolgreich vermarktet werden (mehr dazu siehe hier). Abgesehen davon, dass unter Wissenschafltern noch nicht einmal geklärt ist, ob es -wie in dem Artikel angesprochen – religiöse Gefühle überhaupt gibt, stimmt auch alles andere in dem Artikel Geäußerte nicht.

Weiterführende Literatur finden interessierte LeserInnen in dem Werk: Böker, H./Seifritz, E.(Hrsg.) (2012): Psychotherapie und Neurowissenschaften, Integration-Kritik-Zukunftsaussichten, Verlag Hans Huber.

Mag.a Irene Pollak, http://www.reflekt.at

  1. Schleim, S. (2010): Die Neurogesellschaft (TELEPOLIS): Wie die Hirnforschung Recht und Moral herausfordert, S. 92. Heise Verlag, Hamburg.
  2. Raine, A. (2002): Biosocial studies of antisocial and violent behavior in children and adults: a review. J. Abnorm Child Psychol, 30 (4): 311-326; Jäncke, L. (2008): Gibt es eine (Neuro)-Psychologie des Massenmörders? Zeitschrift für Neuropsychologie, 18: 41-45.
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Über Irene Pollak

Mag. rer. soc. oec (Betriebswirtschaftslehre), Dipl. Lebens- und Sozialberaterin
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